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MorgenHeut

Hi 🙂

Schön, dass Du hier bist!!

Letztens bekam ich dies Feedback zum Inhalt hier:
<<<<< Bin etwas überrascht von deinen Beschreibungen, weil es so klingt wie „ihr solltet alles so tun, wie es mir recht ist und wenn es mir nicht gefällt, seid ihr in 2 Wochen raus – euer Pech, wenn ihr bis dahin womöglich viel Geld in meinen Hof gesteckt habt >>>>>
Nun: Hier ist es möglich, sehr flexibel und individuell nach Lösungen zu suchen, die alle glücklich machen..zumindest behaupte ich das hier..also wenn ihr eigentlich Interesse habt, aber euch gewisse Sachverhalte verunsichern: Lasst uns drüber reden 🙂
viel Spass beim lesen xxx

Hallo! Wie schön, dass Du hier bist! Das MorgenHeut ist ein Bauernhof in McPom, auf dem die Gesellschaft von morgen schon heute vorgelebt werden kann. Lies dir unser Manifest durch und nimm sofort Kontakt auf, falls es dich anspricht. Noch sind fast alle Zimmer frei und warten auf Leute genau wie dich.

MANIFEST

WERTE:

An diesem Hof soll idealerweise die Gesellschaft der Zukunft immer vollständiger vorgelebt werden. Also zB so gut es geht im Einklang mit der Natur, anstatt auf ihre Kosten, und so verständnisvoll, friedlich und liebevoll wie möglich im zwischenmenschlichen Umgang. Ich bin durch Extinction Rebellion (XR) auf den „aktivistisch – idealistischen Pfad“ gekommen und finde die Werte und Prinzipien der Bewegung (https://extinctionrebellion.de/wer-wir-sind/prinzipien-und-werte/) grossartig und wertvoll und sehe sie als die Grundlage des Miteinanders hier. Die Schenker – Bewegung (SB), die mir die Nutzung dieses Hofs überhaupt erst ermöglicht (unter der Bedingung, dass die Entwicklungen hier nicht ihren Zielen widersprechen), bereichert mich auch sehr mit ihrer Philosophie (zB hier: https://schenkerbewegung.phpbb8.de/), und vor allem ihre Methode zur Klärung von Konflikten (dazu später mehr) ist explizit relevant für das Zusammenleben hier.

Vielleicht verknappt:

Hier sollen sich Menschen begegnen können, denen es um Verantwortlichkeit gegenüber der (Um-) Welt, um Selbstentwicklung und um lernhungrigen, respektvollen, möglichst friedlichen Austausch geht, und die ihren Lebensstil und ihre Werte zum Wohle des Ganzen tiefstmöglich hinterfragen möchten, um immer mehr Teil der Lösung, Teil des Wandels zu werden, der nötig scheint, um die Erde zB vor der Klimakatastrophe bestmöglich zu bewahren, aber auch generell, um dem Albtraum ein Ende zu bereiten, den unser Märchen-Herz in dieser Welt voll Kriegen, Atommüll und Hungertoten bei jedem tieferen Nachdenken erleidet.

NÄHERE ZIELE:

Hier ist ein Haus mit 4 Einzelzimmern (nicht alle haben Öfen), dazu Wohnzimmer, Küche, Bad, 3 Durchgangszimmer und ein riesiger Dachboden. Ausserdem ´ne Scheune, die evtl. bald einstürzt und ´n paar Ställe und Schuppen. Es wär´ toll, den Verfall der Gebäude zu vermeiden, das Maximum an Bewohnbarkeit aller dazu geeigneten Flächen herauszuarbeiten, und die Garten-Flächen zu möglichst leckerer Selbstversorgung zu nutzen und ein diverses, resilientes Öko-System zu schaffen. (In 5 Jahren kommt ein weiterer Teil Land dazu, der aktuell noch verpachtet ist, dann beträgt die Grundstücksfläche insg. ca. 1 Hektar. Ich habe lange falsche Flächenangaben erhalten, deshalb kam es zu der Änderung, falls du schon mal eine ältere Version gelesen hast.) Die erste Generation Mitbewohner, die Streit-bedingt gerade am ausziehen ist, hat begonnen, einen essbaren Waldgarten anzulegen. Dieses (noch recht am Anfang stehende) Vorhaben sollte idealerweise mit den anderen Plänen in Harmonie gebracht und weitergeführt werden.

Die Menschen, die hier leben, könnten sich idealerweise so nahe kommen, dass alle Formen von Konflikten gründlich und respektvoll gelöst werden und dass wir uns mit unseren Stärken, Schwächen, Ängsten und Träumen tiefer und konstruktiver als bisher erfahren können, so dass die Träume verwirklicht und die Traumata geheilt, die Ängste aufgelöst und die Schwächen transzendiert werden können.

Dick aufgetragenes Hippie-Geschwafel, aber ich find´´s absurd, es nich´ zu versuchen und hab´ schon viel bei den bisherigen Konflikten und Sternstunden hier gelernt.

Man könnte hier Seminare für Kommunikation, Begegnung, Naturerfahrung, Walzertanz, oder was auch immer anbieten, und eine Ausruh´-Oase für Aktivisti und andere Sympathen anstreben. Alle tollen Menschen, die man so trifft, könnte man hierher einladen, wenn man ihnen zutraut, sich hier harmonisch einzufügen und wenn man bereit ist, die Verantwortung dafür zu übernehmen, falls es doch nich´ klappt. Die Leute, die hier tiefer zu sich selbst finden, und das Konzept richtig feiern, können irgendwann an andere Schenker – Höfe gehen (oder selber welche aquirieren) und dort neue Gemeinschaften aufbauen, usw. usw. bis die ganze Welt nur noch lächelt.

ANREISE:

Der nächste Bahnhof ist im 3 Kilometer entfernten Meyenburg am Rande Brandenburgs. Manchmal fährt auch ein Bus in ´s Dorf. Grundsätzlich empfiehlt es sich, ein Fahrrad mitzunehmen. Es ist auch möglich, von Pritzwalk oder Wittstock (Dosse) aus ca. 2,5 Stunden mit dem Fahrrad zu anzureisen. Die aktuellen Corona-Einreise-Bedingungen von Mecklenburg-Vorpommern sind immer eine empfehlenswerte Lektüre.

Nach Berlin und Hamburg sind ´s ungefähr jeweils 140 km. Nach Berlin dauert ´s mit ÖPNV zw. 3 und 4 Stunden.

HAUS:

Das Haus ist voller Müll und Dreck, obwohl wir schon sehr fleißig am Aufräumen waren. Es wurde auch schon spekuliert, dass hier Flöhe sein könnten, sind es aber wahrscheinlich doch nicht. Allerdings können einem Mäuse begegnen, im Garten sah ich auch schon 2 Mal ´ne Ratte. Deswegen versuchen wir, die Türen geschlossen zu halten und Essen nicht ´rum liegen zu lassen (also Teller mit Essen in den sicheren Schrank räumen, statt Teller auf ´m Tisch ´rumstehen lassen), so dass Ratten und Mäuse möglichst nicht davon angelockt werden. Wir lagern Essen in Schränken und in nicht-angeschlossenen Kühlschränken in der Küche. Der Keller ist ziemlich kühl (wir nutzen ihn also als Kühlschrank – Ersatz), hat aber keine Tür. Bringt also bitte eventuell Tupper-Dosen für angebrochene Essens – Packungen mit.

Im Garten liegen teilweise Asbest-Platten und Bruchstücke von geteerter Dachpappe. Wer Kinder mitbringen möchte, sollte dies besonders klar vor Augen haben. Im Haus gibt ´s Gerüche, die manche für Schimmel halten, in anderen Zimmern wiederum wurde heftig geraucht, was immer noch merkbar ist.

Es gab auch schon Besucher mit einer Staub-Allergie, die es hier nur im saubersten Zimmer gut aushalten konnten.

WASSER (WG DUSCHEN U.A.):

Wir haben zur Zeit noch eine unklare Wassersituation, sowohl was die Preise angeht (Abwasserpreise z.B.) als auch, wo genau das Leck in unserer Wasserleitung ist (die Wasseruhr läuft auch, wenn wir kein Wasser aus irgend ´nem Hahn rauschen lassen). Deshalb duschen wir bisher nicht, sondern machen stattdessen ´ne „Katzenwäsche“ mit ´m Waschlappen (und das Wasser wird dabei nicht in unsere Kleinklärgrube gelassen, sondern anderweitig verwendet..nur mit ökologischer Seife waschen, bitte) oder wir fahren zum See (ca. 50 Minuten mit dem Fahrrad entfernt); ich hab´ mich tatsächlich 6 Wochen gar nicht gewaschen, und trotz fleissigem Nachfragen hiess es nie, dass ich stinken würde; die Beete gießen wir auch mit Regenwasser und nutzen den Wasserhahn nur einmal am Tag, um unsere Vorrats – Kanister aufzufüllen, aus denen wir Trink- und Kochwasser beziehen. Wenn jemand Alternativ-Vorschläge hat, zB weil jemand doch unbedingt duschen will, aber auch bereit ist, eine seinem individuellen Wasserverbrauch entsprechend höhere Miete zu zahlen, schaffen wir ´s bestimmt, uns zu einigen (allerdings hat die „Steinzeit-Variante“ natürlich auch ökologische Vorteile) 😉 selbiges gilt auch für den nächsten Punkt, und generell können wir gern über fast alles verhandeln; fragen kostet kaum ´was 😉

TOILETTE:

Zur Zeit nutzen wir als sehr einfache Kompost- Toilette einen Stuhl, bei dem die Sitzfläche durch Bretter ersetzt wurde, unter dem ein Eimer steht. Idealerweise gelingt uns das Kunststück, feste und flüssige Ausscheidungen in getrennte Eimer zu leiten. Auf das Feste kommen im Anschluss Sägespäne, das Flüssige kommt auf den Kompost. Wir kommen ohne Klopapier zurecht und benutzen Moos und Wasser. Wer welches braucht, bringt bitte Öko- Klopapier mit, damit es sich auf dem Kompost gut zersetzt.

Ganz unmissverständlich (es gab nämlich JEDES Mal noch Unklarheiten): man „käckert“ in den Eimer, der unter dem Stuhl steht, auf dem man sitzt und man hält gleichzeitig ein anderes Behältnis so, dass der Urin in diesem anderen Behältnis aufgefangen wird 😉

Das ist die sympathischste und ökologischste Methode. Die Nutzung der Toilette führt zu finanziellem Mehraufwand weil die Auspumpung der Grube dadurch fällig wird. Ausserdem gehen die Nähr- oder Brennstoffe der Fäkalien verloren. Die Nutzung der Kompost-Toilette ist der Standart, die andere Option muss (da auch viele Zusammenhänge zu beachten sind) ausführlich besprochen werden und ist eigtl. gar nicht eingeplant.

Wir stehen natürlich bei allen weiteren Fragen zur Seite (in genügend Pietäts – Abstand, zwinker-pinker)…

ESSEN KAUFEN:

In Meyenburg (15 Minuten mit dem Fahrrad) gibt es Penny, Norma und Edeka.

NACHBARLICHE RÜCKSICHTNAHME:

Unsere Nachbarn sind recht nah, und sie hören noch sehr gut, deshalb bitten wir um die typische Rücksichtnahme. Ich spiel(t)e hauptberuflich Saxophon. Wer den Klang oder die Lautstärke GAR nich´ mag wird es hier nich´ sooo leicht haben.

WÄSCHE WASCHEN:

Wäsche waschen wir im Bottich mit Saugglocke: spannende Angelegenheit, aber einfacher ist es, ihr nehmt genug „Wechselwäsche“ mit. Es gibt eine Waschmaschine, die wir aber noch nie benutzt haben. Sie hat wohl eine undichte Dichtung. Wer sich da kompetent fühlt, kann sich gern an die Reparatur wagen.

ÜBERNACHTUNGSMÖGLICHKEITEN:

Selbstmitgebrachte Zelte: Dafür haben wir viel Platz, das wäre die einfachste Schlafmöglichkeit. Es gibt auch einen Dachboden, den wir evtl. rechtzeitig sauber und entrümpelt kriegen. Falls ihr selber Lust auf Entrümpeln habt – Hurra!! Wer kein Zelt hat, müsste auf jeden Fall gründlich mit uns Rücksprache halten. Evtl. ist ein Schlafraum im Haus frei, evtl. nicht. Bettdecke, Laken, etc können nicht unbedingt zur Verfügung gestellt werden und sollen bitte selbst mitgebracht werden. (Das Waschen von Schmutzwäsche ist hier ziemlich aufwändig)

UNKOSTENBETEILIGUNG (BESUCHER):

Wir zahlen ca. 5 mal soviel für Trinkwasser, wie es in Berlin kostet. Unter anderem daher würden wir uns über eine Spende sehr freuen.

DROGEN (auch ALK):

Am Coolsten wär´ ´s, ihr nähm´t sie nicht. Dann können wir uns am besten unterhalten, keiner wär´ auf ´nem anderen Trip. Manche haben ihre Süchte vlt erst frisch überwunden und würden im schlimmsten Fall rückfällig werden, wenn vor ihren Augen konsumiert wird oder würden sich einfach unwohl fühlen. Ich hab´ in meinem Leben ´n paar Leute kennengelernt, bei denen der Austausch nich´ schlechter wurde, falls sie konsumiert hatten. Nun… komplexe Sache: wenn eine Person in der Gemeinschaft sich daran stört, dass jemensch meint, konsumieren zu müssen, muss einfach woanders konsumiert werden.

RAUCHEN:

Am Coolsten wär´ ´s… Auf keinen Fall in den Räumen; draussen so, dass es nich´ in die Räume oder unerwünscht in manch´ Nase zieht, die Filter bitte unbedingt nich´ ´rumliegen lassen, ich hab´ gehört: ein Filter kann 50 Liter Trinkwasser verschmutzen.

KONFLIKTKLÄRUNG:

Bei Meinungsverschiedenheiten zwischen zwei Konfliktpartnern versuchen diese, erstmal zu zweit durch möglichst gewaltfrei-reflektiertes Sich-Austauschen auf einen Nenner zu kommen. Klappt das nich´ so richtig, einigen sie sich, wen sie als unterstützenden Dritten dazunehmen. Reicht auch das nicht, wird nochmehr Unterstützung dazugeholt, und immer so weiter, bis das Problem gelöst ist (im Zweifelsfall holen wir uns Unterstützung bei den Leuten aus der SB). Wem das zu kompliziert ist, ist hier nicht am richtigen Platz.

Aus meiner Sicht sind alle Konflikte Missverständnisse, und es ist soo wunderschön, geduldig aufzudröseln, woran es liegt, und am Ende befreit-herzlich zu grinsen und wieder ´was dazu gelernt zu haben. Und beim nächsten Konflikt hat man noch mehr Motivation und Neugierde ihn friedlich-konstruktiv zu klären.

PROBEZEIT (MITBEWOHNER):

Das ist noch nicht so richtig klar, wahrscheinlich 3 – 6 Monate. In dieser Zeit wohnt die Person nach Plan (Verhandlungsoptionen IM VORFELD sind nicht ausgeschlossen) auf Grundlage einer Leihvereinbarung hier, die eine Kündigungsfrist von 2 Wochen zur Grundlage hat. Nach der Probezeit können wir einen „normalen“ Mietvertrag erstellen.

HIERARCHIE:

Mir wurde der Bauernhof anvertraut, weil Öffi (der Gründer und Motor von SB) und ich im Online-Universum von XR und bei einem Besuch bei ihm zu Hause diverse interessante Situationen durchlebt haben und ich mich 2 Monate, bevor ich hierherkam, auf dem SB – Hof in Dargelütz mit „Unbenannt“, dem dortigen Projektverantwortlichen (er is´ sehr vorsichtig, was die Weitergabe seiner Daten angeht, deshalb die Anonymisierung) ausreichend tief auf ehrliche Kommunikation und Mitarbeit einliess. Letzterer sieht seine aktuelle Hauptmission darin, Leute aus der Stadt auf ´s Land zu holen und erklärt das bei Bedarf bestimmt gern genauer. Ich war mein Leben lang handwerklich und was Nahrung anbauen angeht eher desinteressiert und ungeschickt, aber mit ihm kam ich erstaunlich tief in die Materie. Allerdings wollte er mich noch 2 – 3 Jahre weiter „ausbilden“, bevor er mir zutraute, einen eigenen Hof mit allem d´rum und d´ran ausreichend verantwortlich zu schmeissen. Als der Auszug der Dame näher rückte, die vor mir in diesem Haus lebte, kam es zu zähen Verhandlungen mit ihm und dem Rest von SB, die teilweise ganz schön auf die Stimmung drückten. Wir haben ausserdem teilweise unterschiedliche Werte, was die Dinge weiter verkomplizierte. Schliesslich einigten wir uns so: ich „krieg´“ den Hof und darf Entscheidungen treffen, ohne dass mich jemand blockieren kann (solange sie nich´ im Widerspruch zu den Zielen von SB stehen), aber mir wurde eindringlichst empfohlen, evtl. vorhandene Gegenmeinungen (hauptsächlich von „Unbenannt“) so intensiv einzuholen und zu bedenken, wie ich nur kann. Das führt uns zum Thema:

BISHERIGE ZWISCHENMENSCHLICHE PROBLEME:

All dies wussten meine Mitbewohner. Ein Prinzip von XR lautet: „Wir überwinden hierarchische Machtstrukturen. Wir gleichen das Gefälle von Macht und Einfluss aktiv aus, um eine gerechte Teilhabe zu ermöglichen.“ Wir sprachen darüber, dass wir versuchen wollen, dieses Prinzip zu leben, dass es allerdings wahrscheinlich unrealistisch ist, meinen Vertrauensvorsprung mit SB, und die Tatsache, dass ich als Projektverantwortlicher erkoren wurde, völlig auszugleichen. Wir können aber bewusst mit den Gegenheiten umgehen und versuchen, dem Ideal möglichst nahe zu kommen. Ich bot an, dass sie ebenfalls an SB – Telefonkonferenzen (TelKos) teilnehmen können (sie sind 2 mal die Woche) und wir damit experimentieren können, ob es Sinn macht, dass wir meine Verantwortlichkeiten unter uns aufteilen. Ich hatte mit SB einen Spielraum ausgehandelt, auf dem basierend ich eine Vision, Mietverträge und eine Hausordnung formuliert hatte. Ich hatte ein sehr gutes Gefühl mit meinen Mitbewohnern (ich kannte sie schon länger von XR Berlin) und fühlte mich nicht besonders wohl in meiner herausgehobenen Rolle als Vermieter oder Projektverantwortlicher in dem Sinn, dass ich ihnen nicht aus Misstrauen irgendwelche Verträge aufdrücken wollte, die ja irgendwie signalisieren, dass sie so vertrauensunwürdig sind, dass wir diese Verträge brauchen. Ich las ihnen meine erarbeiteten Richtlinien vor aber betonte ständig, dass sie bitte nicht das Gefühl haben sollen, dass ich ihnen misstraue.

In Zukunft möchte ich meine Bedingungen und Vorstellungen einfach entspannt klar kommunizieren und mit potentiellen Mitbewohnern genau vereinbaren, was passiert, wenn etwas nich eingehalten wird oder wir nicht gut genug zusammen zu passen scheinen. Mir war es damals sehr wichtig gewesen, Mitbewohner zu finden, heute ist mein Fokus eher auf einem fairen Deal, im Notfall bleibe ich alleine. Damit will ich nicht sagen, dass es von ihrer Seite schrecklich unfair gelaufen ist. Ich habe nur dazugelernt, auf was ich achten möchte und der Lernprozess geht bestimmt noch weiter.

Meine Mitbewohner haben allerdings mit der Zeit unter den ursprünglichen Vereinbarungen gelitten, die ich mit SB getroffen hatte. Sie wussten: ich werde überall, wo es mir nötig scheint, den Rat von „Unbenannt“ einholen, und ihrer Meinung nach bremste das ständig die Gruppendynamik. (Mein Empfinden, wo ich Rat holen will und wo nicht war letztlich meine Gewissensentscheidung und konnte ihnen im schlimmsten Fall sehr beliebig erscheinen.) Wir einigten uns alle zusammen mit SB darauf, dass es für verschiedene Aufgabenfelder verschiedene Verantwortliche geben wird, die in dringenden Fragen Rücksprache mit SB halten werden, aber nicht wegen jedem Pups Erlaubnis einholen müssen. Ich wusste allerdings aus Vorgesprächen, dass „Unbenannt“ diverse Befürchtungen zu diversen Themen hatte, und obwohl abgesprochen war, dass er in dieser Hinsicht das Gespräch mit den jeweils neuerdings verantwortlichen Mitbewohnern suchen würde, tat er es nicht. Ich fühlte mich verantwortlich für die Klärung der offenen Fragen und des Informatonsflusses und besprach die offenen Punkte mit ihm. Eigentlich hatten meine Mitbewohner den neuen Deal so verstanden, dass wir alle Fragen erstmal gründlich untereinander klären, und eine gemeinsame Entscheidung erarbeiten, bevor SB eingeschaltet/angesprochen wird. Für sie war meine Kommunikation mit Unbenannt eine Art Bruch unserer Absprache. Ich argumentierte, dass sie nicht alle seine Befürchtungen kennen würden, die er bisher nur mir gegenüber geäussert hatte, dass ich ´s nur gut gemeint hatte, und dass es mir Angst macht, dass er Befürchtungen hat und nicht zusammen gesprochen wird. Ich erklärte, es falle mir unter diesen Umständen schwer, mich an unsere Absprache zu halten, ausserdem sei ich nicht absolut sicher, wie sie ganzganz genau im Detail war. Ich wünschte mir eine neue gemeinsame TelKo mit allen, in der wir die Absprache nochmal so anpassen könnten, dass ich sie ohne grosse Spagate einhalten kann. Ausserdem wollte ich darüber sprechen, dass Unbenannt sich nicht daran gehalten hatte, selber das Gespräch zu suchen und warum nicht und auch dafür eine passende, flutschige, intuitiv – funktionierende Lösung finden.

Meine Mitbewohner meinten, ihrem Gefühl nach sei ich süchtig danach, zu reden; es sei unrealistisch, dass wir Lösungen finden würden; endloses im Kreis-Drehen sei wahrscheinlicher; mir würde es nicht wirklich um Lösungen gehen; die Ursachen der Konflikte lägen tiefer; ich solle Therapie machen; reden lohne sich nicht; auch jemand aus unserer XR – Bezugsgruppe, zu dem wir alle Vertrauen haben, zur Lösungsfindung hinzuzuziehen, lehnten sie am Ende ab, obwohl der Gedanke ´ne Zeitlang von ihnen erwogen wurde.

Auch bei XR geht ´s meinem Verständnis nach eher darum, Konflikte gründlich zu analysieren als es sich leicht zu machen und aus der Situation zu entfliehen. Meine Schlussfolgerung: neue Mitbewohner erkennen als Bedingung an: bei Konflikten werden die SB – Klärungsmethoden angewendet oder es wird von der Kündigungsfrist (2 Wochen) Gebrauch gemacht.

TIERE:

Im Moment haben wir 1 Huhn, 2 Hähne und 2 männliche Enten (Erpel). Eine ungewöhnliche, tollkühne Mischung. Manche sagen: Tierquälerei. Wir haben sie allerdings bloss aufgenommen, um sie vor den wiederholten Fuchs-Angriffen auf ihrem ursprünglichen Hof zu schützen, dem innerhalb von ´n paar Tagen ihre ca. 12 Kollegen zum Opfer fielen. Wenn jemensch einen anderen „Gnadenhof“ kennt, der uns die Tiere abnehmen möchte, ohne sie schlachten zu wollen: interessant; ansonsten fühlt es sich gerade ausreichend friedlich zwischen den Tieren an und an den meisten Tagen findet sich ein Ei. Evtl. können hier auch noch weitere Tiere unterkommen, die sonst irgendwo geschlachtet werden würden.

Eigene Tiere mitbringen ist so ´ne Sache. Am Coolsten wär´´s… Wir müssen auf alle Fälle gründlich vorher d´rüber sprechen und ´ne Lösung finden, die allen cool erscheint. Denn manche fühlen sich genervt, von zB Hunden, die so erzogen wurden, dass sie ständig bellen, an ´s Essen geh´n, sich auf Sitzmöbeln und Tischen willkommen fühlen, oder gar fleissig in die Gegend pissen und kacken, ohne dass das Besitzerchen sich gross zu Entsorgungs-Aktionen inspiriert fühlt und bestenfalls noch genervt reagiert, wenn Menschen Bedürfnisse formulieren, die mit seiner Art der Hundehaltung kollidieren. Auch die Bedürfnisse der schon vorhandenen Tiere möchten mitbedacht werden. Einer der ausziehenden Mitbewohner argumentierte, dass Katzen für Vögel, und andere Wildtiere, die unsere Öko-Oase geniessen wollen, sehr abschreckend wirken können. Alles sehr interessante Diskussionen.

ERFORDERLICHE MITARBEIT:

Bei Besuchern:

nach Absprache, wahrscheinlich gar keine, allerdings sollte der Besuch im schlimmsten Fall d´rauf vorbereitet sein, dass evtl. weder Zeit (viel Arbeit zu erledigen) noch Stimmung (Depression, Bedürfnis nach Zeit-für-sich-haben) für „gross Gespräche“ existiert. (Im besten Fall werden wir alle best-friends und verbringen die restlichen Sonnenuntergänge zusammen). Könnte aber auch voll nach XR-Style laufen, also mit täglichen Plena, die mit Check-Ins beginnen, in denen jeder erstmal erzählt, wie ´s ihm geht und was er vom Plenum oder seinem Aufenthalt erwartet, oder statt Plena gar Sharing Circles, in denen wir uns in immer gleicher Redner-Reihenfolge unser Mensschsein so tief mitzuteilen versuchen können, wie möglich.

Für Mitbewohner: Das Projekt hat verschiedene Arbeitsfelder (zB Instandhaltung/Optimierung der Räumlichkeiten, Tierpflege, Beetpflege, Feuerholz sammeln) und ich bin auf der Suche nach Leuten, die ausreichend motiviert sind, die „Lusten und Lasten“ eines verantwortungsvollen Landlebens fair aufzuteilen; ALLE Arbeitsfelder; selbstverständlich sind manche Menschen vlt. gesundheitsbedingt nicht in der Lage zu arbeiten oder sind auf ´m Dauer-Meditations-Trip oder wollen von morgens bis abends ihre Bücher fertig schreiben. Evtl. entsteht dann eine Balance durch finanziellen Ausgleich oder wir finden zusammen vlt. noch andere Lösungen. Alle Vorsccghläge sind willkommen.

KOSTEN:

260 € müssen jeden Monat bezahlt werden, um alle Kosten zu decken. Hinzu kommt der Verbrauch. Wir haben hier bisher mit 380 € insgesamt als Annahme gearbeitet. Je nach Verbrauch kommt Geld zurück oder muss nachgezahlt werden. Natürlich gehen auch hier und dort Sachen kaputt; es gibt Zeiten, in denen ich alleine die Miete bezahlen muss(te); auch wär ´s cool Geld anzusparen; falls der Hof ein finanzielles Plus erzielen sollte (zB durch Gemüse-Verkauf oder veranstaltete Seminare oder Spenden) fänd´ ich ´s fair, wenn erstmal meine Unkosten ´reinkommen, für Zeiten als ich alleine Miete gezahlt hab´. Ich bin aber für Gegenmeinungen sehr aufgeschlossen.

FREIE RÄUME:

Ab Oktober sind 3 Einzelzimmer und 2 Durchgangszimmer und der riesige Dachboden frei. (Ausserdem die Stall-Gebäude und Platz für Wohnwägen oder Jurten gibt ´s auch.) Um sie bewohnbar/gemütlich zu machen ist unterschiedlich viel Arbeit nötig. Die 3 Einzelzimmer sind wahrscheinlich OK, in einem riecht ´s evtl. nach Schimmel. 2 dieser Einzelzimmer haben keinen eigenen Ofen; ein Ofen ist in dem Zimmer, das man „Vorraum dieser 2 Einzelzimmer“ nennen könnte. Evtl. wird ´s warm genug, wenn man die Türen offen lässt oder Steine auf der Ofenplatte erwärmt und dann um sich ´rum im Zimmer drapiert. Das bringt uns zum Thema:

WINTER:

Der Winter naht und es ist unklar, ob schon genügend trockenes Brennholz da ist oder noch rechtzeitig gesammelt werden kann. Klar könnte man sich welches liefern lassen, aber das kostet Geld und tötet Bäume. Als wir hier noch zu viert und relativ glücklich waren, hatten wir angedacht, alle zusammen im best-isoliertesten Zimmer zu wohnen und auf die Art vlt. mit dem vorhandenen Holz über den Winter zu kommen. Ausserdem müssen oder sollten noch ein paar kaputte oder schlechte Fenster optimiert werden.

NÜTZLICHES / ESSENTIELLES (?) GEPÄCK:

  • Teller und Besteck (je nachdem wieviele ihr seid, haben wir sonst nicht genug)
  • Arbeitshandschuhe
  • Zelt
  • Isomatte
  • Schlafsack
  • Stirnlampe
  • (Tupper-) Dosen für angebrochene Essenspackungen
  • Essen
  • Schirm
  • Musikinstrumente
  • Kondome
  • Erdnussbutter (Bio)

ERGÄNZUNGUNGEN (1)

ZEITNAHE KONFLIKTKLÄRUNG:

Wenn eine Konfliktklärung jemandem nötig erscheint muss diese zeitnah geschehen. Wenn ich das Gefühl habe, dass die Begründungen, warum die Konfliktklärung nicht schnell genug stattfinden kann, nicht angemessen sind werde ich mich mit SB beraten. Sollten wir das Gefühl haben, die Klärung wird versucht zu vermeiden kommuniziere ich dies. Kommt dennoch keine angemessen zeitnahe Gesprächsbereitschaft kommt es zur Kündigung von inerhalb von 2 Wochen.

EINBRINGEN VON BESITZ / GELDINVESTITIONEN IN ´S PROJEKT:

Wenn nicht ausdrücklich anders vereinbart (in schriftlicher Form) sind Anschaffungen, die für ´s Projekt gemacht wurden (zB jemand baut sein Zimmer aus) bei Auszug nicht vom Projekt zu entgelten.

SPIELRÄUME, DIE ICH THEORETISCH HABE:

Ich habe viel Zeit und Gedanken und Argumente-Austausch inverstiert um dieses Projekt verwalten zu dürfen. Den ersten Monat bezahlte ich die Miete allein und bisher habe ich nicht mit Kaution oder Ähnlichem gearbeitet, so dass ich (falls keine neuen Vereinbarungen geschehen) auch in Zukunft die Miete alleine tragen werde, wenn keine Mitbewohner vorhanden sind. Ich verbringe Zeit in SB-TelKos und mach´ mir ´ne Platte, was dem Hof gegenüber am Verantwortlichsten is´. Der Normalo-Mitbewohner verschwindet bisher einfach, wenn er keinen Bock mehr hat (also bisher sind wir im Guten oder mindestens Neutralen auseinander gegangen; worauf ich hinauswill ist nur: mein Job umfasst mehr Einsatz als der des Normalo-Mitbewohners – natürlich habe ich dafür andererseits mehr Sicherheit, mir kann keiner kündigen, ausser SB); jedenfalls wurde mir auch der Freiraum gegeben, selber keine Miete zahlen zu müssen, falls genug Mitbewohner vorhanden sind, und das allseits ausreichend fair erscheint. Bisher musste ich nicht nebenbei arbeiten, konnte also meine ganze Energie theoretisch in ´s Projekt fliessen lassen. Ich möchte jedem die Möglichkeit geben, sich meine Verantwortungs-Position sich mit mir zu teilen, soweit es Sinn macht, möchte aber auch gerne, dass (siehe nächstes Thema):

EINSATZ SPIEGELT SICH IN MIETE:

Ein Voll-Idealist übernimmt so viel Verantwortung für das Projekt wie möglich; es kann sich auch fair anfühlen, wenn Menschen hier einfach nur ausruhen möchten; ich bin zuversichtlich: wenn wir gründlich genug reden, finden sich für alle Bedürfnisse Arrangements; aber grundsätzlich gilt: je weniger Einsatz für den Hof, je höher die Miete; ich hoffe, dass hier vlt. irgendwann so viele Leute sind, dass wir einen Energie-Überschuss haben; dass die Gemeinschaft mit ihren Bedürfnissen auch stabil bleibt, wenn manche vlt. gar nicht mitarbeiten und auch nicht mitbezahlen, aber es sich aus bestimmten Gründen trotzdem stimmig/bereichernd/richtig anfühlt, dass sie dabei sind; die Welt is´ voll von Leuten, die mehr Liebe und Unterstützung brauchen, wundervoll, wenn wir auf der Schiene irgendwie reich genug sind zu schenken; aber wenn wir das Gefühl haben, nicht genug Überschuss zu haben, is´ es wahrscheinlich schlauer, wir machen uns erstmal selber stabil.

Ergänzungen für WWOOFer

Letztens kam wieder ne Anfrage, ich antwortete:

Hi X, schön, dass du schreibst 🙂
ich hoffe, „du“ is ok, hier is luis;
bei uns am hof hat sich viel geändert und momentan lebe ich allein hier;
auf der suche nach mitbewohnern oder mitbewohnerinnen;
da ich hier allein viel kosten hab kann ich mir eigtl nich leisten, leute mit essen zu versorgen; im gegenteil: gut wäe, wenn besucher sich an den unkosten beteiligen würden (die wasserkosten sind sehr hoch); auch bin ich momentan „nur“ ein anfänger was gärtnern und permakultur betrifft, wahrscheinlich weisst du viel mehr als ich; aber hier soll definitiv alles hoch-ökologisch laufen;
wenn du immer noch interessiert bist, melde dich gerne, alles gute 🙂
luis

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